Die Zeit „zwischen den Jahren“ – Die Rauhnächte

Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit des Wechsel und des Wandels, eine Übergangszeit. In aller Ruhe schaut man schaut auf Vergangenes zurück, schließt ab und macht sich bereit für neue Ziele und Wege. Das alte Jahr ist vorbei, das neue hat noch nicht begonnen. Das erklärt auch die Redewendung „zwischen den Jahren“ für die Spanne zwischen Heiligabend und Drei Könige. Oft spricht man von dieser Zeit auch von den Rauhnächten.

Es soll eine Zeit der Einkehr, des Lauschens, der Stille, der Reinigung und Vorbereitung für das, was sich uns im neuen Jahreszyklus offenbaren wird sein.

Was sich in der Natur bewegt

Rehe hüten ein Rauhnachtgeheimnis: Im August findet ihre Brunftzeit statt. Das befruchtete Ei verbleibt bis Weihnachten im Eileiter. In den Rauhnächten bewegt sich das ruhende Ei weiter in die Gebärmutter und beginnt, sich zu entwickeln und ein junges Reh herauszubilden, das dann im Frühling zur Welt kommt.

Interessant ist, dass in einigen Kulturen die Rehe, Elche und Hirsche die Tierführer des Weihnachtsmannes sind, der Geschenke bringt und damit Neugierde, Liebe und Freude in den Menschen weckt, sodass sie zuversichtlich ins neue Jahr gehen können.

In der Zeit der Rauhnächte hat die Ruhephase in den Pflanzen und Samen ein Ende. Tief in der Erde beginnen die Samen langsam zu erwachen und zu keimen. Die Pflanzensäfte beginnen sich zu regen und anzusteigen. Dies kann besonders an den Bäumen beobachtet werden. Auch die Algen unter dem Eis der zugefrorenen Seen beginnen sich wieder zu bewegen.

Herkunft

Es gibt verschiedene Wegweiser für die Herkunft von Rauhnacht. Ein Pfad führt zum mittelhochdeutschen Wort rûch, was soviel wie rauh, grob, haarig, ungezähmt bedeutet. Gemeint ist damit, dass in den Rauhnächten das Geschehen des neuen Zyklus noch in einer rohen unausgeformten Form vorliegt. Diesem Anfang des neuen Jahreszyklus liegt sozusagen ein Zauber inne, den jeder Mensch selber weiterzaubern kann.

Das Räuchern

Vielerorts heissen die Rauhnächte auch Rauchnächte und beziehen sich damit auf den uralten Brauch des Räucherns in der Zeit zwischen den Jahren. Mit verschiedenen Harzen und Kräutern wurde geräuchert, um böse Geister zu vertreiben und die wohlgesinnten und positive Energie einzuladen. Das Räuchern von Wohnungen und Häusern zum Jahresübergang ergibt auch heute noch Sinn: das Neue kann sich in einen energetisch reinen Raum hineinentfalten.

Von Mythen und Bräuchen

Es gibt zahlreiche Mythen, Bräuche, Rutuale und Sagen rund um diese Zeit. Wäsche durfte nicht gewaschen werden, damit sich die Geister nicht in den Laken fingen und diese dann als Totenhemden nutzen. Auch mussten vor Weihnachten die Schulden beglichen sein, sonst winkte Unglück. In den Nächten durften Mädchen und Frauen nicht nach draußen gehen, weil es die wilde Jagd besonders auf sie abgesehen hätte und damit dem Tod geweiht wären. Tiere mit den Toten sprechen oder Ahnen und Geister erscheinen. Wenn eine unverheiratete Frau in den Rauhnächten zu einer Wegkreuzung ging, galt das alseine Gelegenheit, um ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Seine Gestalt erschien um Mitternacht und ging schweigend vorüber. Die junge Frau durfte ihn weder ansprechen noch ihm nachschauen, um den Zauber nicht zu zerstören.Das Wetter der Rauhnacht bestimmt das Wetter des entsprechenden Monats und vieles anderes mehr.

Datum und Anzahl Rauhnächte

Die Anzahl der Rauhnächte variiert jedoch nach Gegend: Von drei bis zwölf Nächte können sie dauern. Manche erachten sie als Schicksalsweisend oder als Omen für das kommende Jahr. Aus dem Grund sind es zumeist zwölf Nächte und jede einzelne steht für einen Monat des kommenden Jahres. Daher soll man in dieser Zeit besonders auf seine Träume, Gefühle sowie auf das Wetter, Erlebnisse und Nachrichten achten. Die Rauhnächte beginnen somit mit der Nacht vom 24. Auf den 25. Dezember und enden mit der Nacht auf Drei Könige, am 6. Januar.

Warum sind es 12 Nächte?

Da die heidnischen Bräuche und Mythen lange Zeit nur mündlich überliefert worden sind, gibt es auch hier nicht nur eine Erklärung. Mit Sicherheit hat es jedoch mit den verschiedenen Kalendern zu tun, die immer wieder verändert worden sind. Eine Erklärung bezieht sich auf den Unterschied von Mond- und Sonnenkalender:

Ein Mondjahr (12 Mondzyklen von 29,4 Tagen) besteht aus 353 Tagen. Für die 365 Tage des Sonnenjahres fehlen demnach 12 Nächte. Diese Nächte werden mit den Rauhnächten gleichgesetzt und gelten - weil außerhalb der Zeit oder zwischen den Jahren - als mystisch und magisch.