Last Updated: 22 June 2018

Immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert, wie sich denn Naturheilkunde mit dem christlichen Glauben verträgt. Häufig wird der ganze Bereich mit Esoterik gleichgesetzt und daher kritisch betrachtet. An der Stelle muss aber gleich vorab gesagt werden, dass das Feld der Naturheilkunde so vielfältig ist wie die Welt der Tiere oder Weine. Sowenig wie man pauschal sagen kann, dass alle Schlangen sind giftig, oder jeder Merlot gut schmeckt, sowenig kann man sagen Naturheilkunde ist Esoterik und damit pauschal unverträglich mit dem christliche Glauben.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es etwas Gutes ist sich die Heilkraft der Natur zu Nutze zu machen. Unser gesamtes Ökosystem ist so ein komplexes Gebilde, das perfekt durchdacht und aufeinander abgestimmt ist. Die Tiere wissen genau welche Pflanzen sie essen dürfen und welche nicht. Der Zodiakbär zerkaut die Blätter der Ligusticum Pflanze, spuckt den Sud in die Pfoten und verreibt es in das von Parasiten befallene Fell. Der Puma nagt bei Schmerzen an der Rinde des Chinarindenbaums, und wir gehen in die Apotheke und fragen nach Pharmazeutika. (Quelle: Die Welt 1996, Der Puma wies den Weg zum Chinin). Dabei habe ich noch nirgends eine Paracetamol- Staude wachsen sehen. Nein, im Ernst. Ich glaube wir haben einfach mit der Zeit verlernt, uns die Mittel, die uns die Natur gibt, zu Nutze zu machen. Vielen Beschwerden könnten wir wie früher mit natürlichen Mitteln entgegen wirken, sowohl als Profilaxe, als auch als Akutmittel für aktuelle Leiden. Bestimmt gibt es heute Krankheiten „gegen die kein Kraut gewachsen ist“, allerdings müssen wir hier auch mal ehrlich sein und schauen, um was für Krankheiten es sich handelt und ob wir die nicht zum Teil sogar selber erschaffen haben. Lassen sie uns nicht vergessen, dass es Hildegard von Bingen war, die hier einen Grossteil an Erfahrungen beigetragen hat auf dem Gebiet der Naturheilkunde.

“Entgegen vieler Meinungen bin ich keine diplomierte Hexe!”

Naturheilkunde ist keine Hexerei. Es hat auch nichts mit übernatürlichen Kräften zu tun oder magischen Elementen. Zumindest nicht per se. Naturheilkunde an sich beruft sich auf eine Jahrtausende lange Tradition. Seien es Hildegard von Bingen (1098–1179), Paracelsus (1493–1541), oder William Turner (1510–1558). Sie alle wussten bereits, welche Heilkraft in den Pflanzen steckt. Auch Tiere wissen intuitiv welche Pflanzen sie knabbern müssen wenn der Magen drückt oder die Pfote schmerzt. Dabei ist die Lehre über Pflanzen und deren Heilkraft nur ein Bereich der Naturheilkunde.

Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen

Weitere bekannte Praktiken sind die Lymphdrainage, Fussreflexzonentherapie, Enzymtherapie, Ernährungstherapie, Konstitutionstherapie, Magnetfeldtherapie um nur einige zu nennen. Und mir scheint, genau das macht es so schwer für viele zu erkennen, dass Naturheilkunde eben nicht gut oder böse, schwarz oder weiss, christlich oder esoterisch, hilfreich oder Hokuspokus ist. Alles läuft unter dem Deckmantel der Naturheilpraktiken. Und wer hat heute noch die Zeit sich detailiert damit auseinander zu setzen, was sich hinter welcher Methode verbirgt.

Den Mensch im Mittelpunkt sehen

Wichtig ist, dass der Mensch im Vordergrund steht. Welcher Arzt hat schon Zeit dem Patienten zuzuhören was genau sein Leiden ist. Zu schnell wird einfach ein Mittel verschrieben, am besten etwas, das fast immer wirkt, sicher ist sicher und dann ist gut. Der Patient ist zufrieden, weil er etwas in die Hand bekommen hat und der Art ist zufrieden, weil der Patient zufrieden ist und keine unangenehmen Fragen gestellt hat. Genauso schlimm sind die Fälle, in denen der Patient von einem Arzt zum Nächsten delegiert wird, aus Angst, man trifft eine falsche Entscheidung. Oder nach einer Behandlung sieht sich der Arzt die Stelle an und ist super zufrieden mit seinem Ergebnis. Alles sieht aus, wie er es erwartet. Dass der Patient sich unwohl fühlt, im Alltag plötzlich andere Behinderungen hat, das sind Nebeneffekte mit denen man leben muss. “Immerhin ist es weniger gefährlich als das, was sie vorher hatten”. All diese Fälle durfte ich selbst miterleben und war mega frustriert.

Gerade wenn es um so etwas sensibles und persönliches wie die Gesundheit geht, bin ich der Meinung, braucht es Zeit und Einfühlungsvermögen für den Patienten. Bevor ich ein Mittelchen verabreiche oder eine Behandlung startet, möchte ich verstehen, wo das Problem liegt, wie es sich äussert, wann es besser oder schlechter wird, ob Korrelationen erkennbar sind, wann es anfing. Zusammen mit dem Patienten möchte ich nicht nur an den Symptomen arbeiten, sondern auch versuchen, die Ursache zu beheben. Und das Ganze mit den Mitteln, die Gott uns zur Verfügung gestellt hat. Seien es Selbstheilungsmechanismen im Körper, die wir aktivieren und fördern können, seien es Pflanzen die Körperfunktionen unterstützen oder ein spezieller Menüplan. Das alles gehört für mich zur Naturheilkunde.

 Brauchen wir sowas denn?

Wenn mir jemand entgegnet: “Brauchen wir sowas denn im Ort? Wir haben hier doch jemand der Massiert, jemand der etwas mit den Füssen macht, Ernährungsberater und so Zeug” dann kann ich nur fragen: Wie entscheidest du, wann du zu wem gehst? Da ist doch der erste Weg zum Arzt, der dann sagt was fehlt und was man machen oder lassen soll. Und genau diese Stelle wollen wir Naturheilkundler einnehmen. Die Anlaufstelle sein, die Möglichkeiten aufzeigt,

•      wie man gemeinsam dem Körper hilft sie selbst zu helfen

•      wo man sich hin wenden kann, weil Spezialisten einfach Spezialisten sind

•      wann es Zeit ist wirklich die Schulmedizin zu Hilfe zu ziehen

Alles kennen aber nicht alles wissen, wenig können aber das wenige dafür gut

Naturheilkunde ist vielschichtig und breit gefächert. Während meiner Ausbildung habe ich viele interessante Sache kennen lernen dürfen. Viel auch, was sich auf den ersten Blick vielversprechend anhört, beim genaueren hinschauen aber doch für mich eher zweifelhaft ist. Dennoch habe ich diese Methoden gelernt. Denn wie kann ich sagen, dass etwas nicht gut ist, wenn ich es nicht kenne und nichts darüber weiss. Ich bin der Meinung man muss nicht alles könne, aber vieles kennen. Aber das was man macht, davon sollte man Ahnung haben. Aus dem Grund lebt der Beruf davon, dass wir uns vernetzen und ständig weiter lernen um das Beste für unsere Patenten anbieten zu können. Das Potenzial zum Gesund werden steckt in jedem von uns, wir müssen es nur wecken.

Wer mehr über die naturheilkundlichen Methoden wissen möchte und wie sie sich aus meiner Sicht mit dem christlichen Glauben vertragen (oder auch nicht), ist eingeladen die jeweiligen Seiten hierzu über das Menü auf der linken Seite durchzulesen. Gerne dürfen sich mich auch bei Fragen oder Diskussionsbedarf hier ansprechen.

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